Eisenbahner Sportverein Dresden e.V. - Abteilung KANU - Drachenbootteam Froschcotta
28 | 09 | 2022

Was gilt, wenn sich die Weltspitze vergleicht?

Eine Fahrt ins Ungewisse zur WM in Sarasota/Florida 2022 für Egbert Ewald (Egge) und mich, Carsten Baumeister.

„Wenn es weh tut, wächst der Muskel!“

Diesem Satz im Kraftraum hatten wir lange vertraut, und mit Recht. Aber wie in Corina-Zeiten mit entsprechenden Restriktionen ein Gruppentraining durchführen?

Natürlich haben wir zu Hause unsere Keller umgeräumt und mit allen möglichen Hilfsmitteln einen Kraftraum eingerichtet. Bei mir waren es Autoreifen, eine ausgediente Nähmaschine, eine Trittbohle von einem Gerüst sowie eine zusammengeschraubte Auffangmatte für die Gewichte vom Bankziehen, bei Egge, Falk, Florian sieht es ähnlich aus.

Das persönliche Gefühl wurde so zumindest beruhigt. Aber wie steht es wirklich im Vergleich zur Weltspitze? Wir hatten eine Einzige Probe mit dem ESV Team in Neuhausen/Spremberg. Auf den kurzen Strecken jeweils Dritter.

Dann „unsere“ Strecke, die 2.000 m, die hatten wir bei allen vorherigen Rennen gewonnen. Entsprechend die Nervosität und die Enttäuschung für diejenigen, die nicht im Boot dabei sein konnten.

Wenn ein deutlicher Sieg und eine vor Erschöpfung und Glück weinende (na ja nicht Alle) Truppe sich in den Armen liegt ist dies schon ein gutes Gefühl für den Stand der Vorbereitung.

Je näher der Zeitpunkt der Abreise rückt, umso unruhiger wurde ich allerdings.

Lieber doch noch mal am Abend in den Keller verschwinden für eine halbe Stunde Krafttraining, am Ende täglich. Nichts ist schlimmer als sich später eingestehen zu müssen, hätte ich doch noch mal.

Am Tag der Abreise das Gefühl reicht es? Aber es ist es dann sowie so zu spät, also positives Auftreten. Wir haben aus den WM in Thailand gelernt und sind extra 4 Tage früher gefahren um uns zu akklimatisieren und in kurzen Trainingseinheiten vorzubereiten.

Na ja, wir sind nicht mehr die Jüngsten. Aber gerade dies ist ja der Vorteil vom Drachenboot, ein Sport der bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Um die WM-Zeit herum haben 2 Paddler Ihren 70 Geburtstag gefeiert, und unsere Betty direkt am letzten Renntag.

Der erste Renntag begann mit einer Ernüchterung, Platz 6. im Großboot (20 Paddlerinnen) auf unserer eigentlichen Hausstrecke, den 2.000 m. Am nächsten Tag setzte sich die im Small Open (10 Männer) mit Platz 4 fort, mit 9 Sekunden auf Platz 2 bei einer Rennzeit von 10min 30s.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir einen Paddler bereits ab dem einsteigen als Corona komplett Ausfall hatten. An Tag 3 waren dann 7 Paddlerinnen betroffen.

Im Small Open über 200m versuchten wir es dann mit 8 Paddlern und mussten uns wiederum als Vierte mit 0,2 zu Platz 3 zufriedengeben. Irgendwann mag man keinen mehr, der zum Vierten Platz gratuliert.

Was also tun? Ein großes Boot bekamen wir nicht mehr zusammen. Also Variante Z, die wir in keinem unserer Trainingslager jemals trainiert hatten, ein Small Mixed (je 5 Frauen und 5 Männer).

Den vorletzten Renntag haben wir in dieser Besetzung dann genutzt und sind bei den Männerbooten mitgefahren. Wen verwundert es, wenn wiederum nur ein vierter Platz herauskam.

Wie war dies zu werten? Natürlich hatten wir dies den zu Hause gebliebenen nicht live mitteilen können und entsprechend waren die eingehenden Meldungen, “ Kopf hoch, Morgen gibt es auch noch ein Rennen, war knapp, vielleicht ein nächste Mal, .. „ entsprechend.

Am Abend dann eine weitere Krankmeldung. Aber auf jeder Seite sollten zumindest je 5 Paddler sitzen, also musste aufgrund der noch möglichen Optionen 1 Paddler die Seite wechseln, die Schlagreihe wurde umbesetzt und einige Plätze im Boot vertauscht.

Als der neue Plan stand sagten wir uns, entweder werden wir Morgen geteert und gefedert oder wir haben mal Glück. Das letzte Rennen über 500 m stand an, und es gab nur noch diese Chance eine Medaille zu bekommen.

Das Ganze mussten wir dann am Morgen dem Team noch motivierend beibringen, und wie bereits gesagt Betty feierte Ihren 70 en, den wir im Marshalling mit einem entsprechenden Lied zelebrierten.

Wir waren ausgelassen und mit dem Mut der Verzweiflung fröhlich, vermutlich auch das was die anderen Boote über uns dachten.

Am Start sind wir dann zumindest nicht als letzte herausgekommen. Bei 200 m auf Platz 4 (irgendwie habe ich gerade ein De Ja Vue) das kann es doch wohl nicht wieder sein!

Dann die Ansage von der Steuerfrau, Zwischenspurt hop, hop, hop, ... , das tut weh,

kommt mir auch bekannt vor.

Bei 300 m sind wir mit den Canadiern gleichauf auf Platz 1.

Also 150 m vor dem Ziel nochmals die gleiche Ansage. Wieder schieben wir uns von den Dritten ein Stück weg, aber auch die Canadier müssen daran glauben, sofort erhöhen sie Ihre Schlagzahl.

Wir müssen kontern, nochmals 5 Schläge hoch.

Warum kommt das Ziel nicht näher? Stimmt der Bojen Abstand? Also Augen zu, an nichts mehr denken als maximale Kraft.

Irgendwann kommt das Kommando „Durch“. Wer kann schaut nach Links und Rechts und wer dann noch in der Lage war dies zu verarbeiten brachte eine Jubelschrei zustande.

Gold! Jede Sekunde Training im Kraftraum, im Boot hatte sich damit gelohnt.

Der Ablauf der Poolparty ist ein anders Kapitel.

Eins zum Ende, Danke an alle Sportler des ESV Drachenboot Teams die es uns ermöglicht haben jede Woche ein Boot zum Training zu Wasser zu lassen und dies mit entsprechendem Kampfgeist (auf höchstem Niveau, wie wir nun wissen) immer wieder bestätigen.

Also wer Lust hat dieses Gefühl mit zu erleben, jeden Dienstag 18.00 Uhr Im Bootshaus des ESV.